Durch gute Gestaltung Begeisterung schaffen

Möglichkeiten der Szenografie in Ausstellungen

Die Schausammlungen in Museen verlieren zunehmend an Attraktivität.
Selbst interessiertes Publikum kann heute noch kaum motiviert werden, ein- oder mehrmals im Jahr gegen Eintrittsgebühr große Ansammlungen von Kulturgütern zu besuchen und in Augenschein zu nehmen. Das Interesse nach Erlebnis, Partizipation, Überraschung und Staunen ist längst nicht mehr auf einfache Freizeitangebote, sondern auch auf Formen der Bildung und Lebenskultur gerichtet.
Seit einigen Jahren sind manche Museen diesem Interesse entgegengekommen und haben mit innovativen Ideen neue Ausstellungsformate entwickelt. Dabei ging es den Ausstellungsmachern nicht nur darum, die typische Besuchererwartung zu erfüllen, son-dern sie bei weitem zu übertreffen, unverhoffte Überraschungsangebote  anzubieten, faszinierende Eindrücke und interaktive Erlebnisse zu ermöglichen.
All dies wurde durch die Methode der Szenografie geschaffen, die für Ausstellungsmethoden aus den Disziplinen des Theaters und des Films entstanden sind. Da es aber für die Präsentation von Ausstellungsthemen nicht genügte, nur Stimmungen durch Kulisse zu erzeugen, sondern neben der erlebnishaften Faszination auch die Vermittlungsziele im Erleben eines Ausstellungsbesuchs zu transportieren, wurde die Szenografie in den Museen zur Kernaufgabe des publikumsorientierten Ausstellungsmanagements. Muse-umsleute, die allein mit dem Wert ihrer Sammlungen auf Publikum warten, gehören mit dieser Einstellung der Vergangenheit an. Die Scheu vor vermeintlich billiger Animation lässt vielerorts auch heute noch ernsthafte Wissenschaftler in einer Askese objektorientierter Präsentationsformen verharren. Ohne die Nachfrage eines interessierten Publikums sind selbst wertvolle Sammlungsschauen ohne jede Bedeutung. Hohe Nachfrage und nachhaltige Vermittlung sind Schlüsselfragen der Ausstellungsgestaltung, die nur durch eine hohe Qualität der Szenografie in Ausstellungen zu leisten ist.
Inzwischen besteht bei den Museen, den Hochschulen und den professionellen Gestaltern und Gestalterinnen Einigkeit, dass mit Szenografie alle Maßnahmen gemeint sind, die eine beabsichtigte oder zufällige Anordnung von Objekten oder eine Raumbildung betreffen, die dem Zweck des Ausstellens in öffentlich zugänglichen Räumen dienen. Ihre hohe Qualität zeigt sich in der Ausrichtung auf interessiertes Publikum. Denn nicht die Organisation und Funktionalität von visuellen Reizen, sondern die Frage, welche Auffassung und Eindrücke als "Gegenleistung" beim Publikum entstehen, bestimmt die Gestaltung.

Vita

Dr. Gerhard Kilger, Jahrgang 1946, geboren und Schulbesuch in Tübingen.
1967 - 1974 Studium an den Universitäten Freiburg i.Br. und Tübingen in Physik und Philosophie, Promotion Dr. rer. nat. 1980 am Institut für Angewandte Physik der Universi-tät Tübingen über Elektronenstrahllithographie (Nebenfach Philosophie).
1974 - 1980 wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Angewandte Physik, Aufbau und Leitung eines Halbleiterpraktikums, Forschungstätigkeit im Bereich der Mikrominiatu-risierung für die Herstellung von Halbleiterchips (Nanotechnologie).
Seit 1972 Nebentätigkeit als freier Künstler und Dozent für Lithographie an der Europäi-schen Sommerakademie in Trier, an der Universität Tübingen und den Künstlerhäusern in Heidelberg, Mannheim und Tübingen.
Von 1980 - 1988 Konservator und Oberkonservator am Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim, Planungs- und Aufbauarbeiten eines großen neuen Technikmuse-ums.
Seit 1988 Direktor der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund, Leitung der Planungs- und Aufbauarbeiten sowie des Betriebs. Die DASA ist als Bundeseinrichtung eines der größten und modernsten Technikmuseen Deutschlands (13.000 qm Ausstellungsfläche). Sie erhielt 1996 den Michelettipreis für das beste europäische Technik und Industriemu-seum.
Gerhard Kilger hat in den Jahren 1975 - 1980 als einer der ersten Experten für Mikromi-niaturisierung auf internationaler Ebene an der Erarbeitung der physikalischen Grundlagen für spätere Chipherstellung mitgewirkt und dabei an internationalen Kongressen und Kooperationen mitgearbeitet. Dies war 1980 auch der Grund für die damalige Landesre-gierung von Baden-Württemberg, Herrn Kilger mit den konzeptionellen Planungsarbeiten eines innovativen Technikmuseums zu beauftragen. Die Erfahrungen beim Aufbau dieses Museums waren auch für die Beauftragung in Dortmund maßgeblich.
Als Direktor und Professor ist Herr Kilger auch als Führungskraft in die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin integriert, dadurch ist er nicht nur in Fachgremien des Museumswesens, sondern auch im Bereich der Arbeitswissenschaften sowie durch ent-sprechende Publikationen vertreten. Die Schwerpunkte liegen gegenwärtig auf folgenden Themen:
2004 - 2010 Vize-Präsident der europäischen Organisation ECSITE
2006 - 2012 Präsident des deutschsprachigen Bereichs ECSITE-D.


Referenten

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